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Top-Ten meiner All-Time Lieblingsfilme 2/2

Es ist soweit: Teil 2 meiner Lieblingsfilme aller Zeiten! Während ich in Teil 1 die Plätze 10 bis 6 besprochen habe, die sich im Laufe der Jahre stetig verändert haben, sind meine Top 5 (fast) konstant geblieben. Vor allem die Plätze 1 und 2 sind seit Jahren unverändert. Seid gespannt, welche das sein könnten, und taucht ein in meine Top 5.


Platz 5: "Funny Games" & "Funny Games US" von Michael Haneke

"Funny Games" von Michael

Haneke aus dem Jahr 1997

 

Das trojanische Pferd

 

 

Funny Games ist ein Phänomen und gleichzeitig eine der größten Ausnahmeerscheinungen in der Liste der besten Filme aller Zeiten. Der Filmemacher Michael Haneke – der später mit Golden Globes, Oscar-Auszeichnungen und sogar mehrmals im Mekka der Filmindustrie, Cannes, mit Preisen und Lobeshymnen gefeiert wurde – lieferte erstaunlicherweise ein Meisterwerk nach dem anderen. Die Qualität seiner Filme zeichnet sich durch Perfektion und Detailreichtum aus, wie man sie aus Filmen à la Hitchcock oder Pasolini kennt. Dieser Regisseur gehört zu den größten der Filmgeschichte.

 

 

Haneke kritisierte in seinen ersten Filmen immer wieder die glorifizierende Darstellung von Gewalt im amerikanischen Unterhaltungskino. Für ihn ist es zynisch, wenn das Publikum belustigt auf grausame Szenen reagiert, in denen Opfer leiden oder angeblich gerechtfertigt gefoltert und anschließend brutal ermordet werden. Um diesem verwerflichen Umgang mit Gewalt im US-Film und dem Genuss des Publikums adäquat zu begegnen, drehte Haneke den Experimentalfilm Funny Games. Dabei handelt es sich um ein Trojanisches Pferd. Eine kleine Familie reist voller Vorfreude in ihr Ferienhaus und wird kurze Zeit später von zwei Jugendlichen, Peter und Paul (deren Namen schnell wechseln), in ihre Gewalt gebracht. Die beiden Jungen wetten, dass die Familie in wenigen Stunden sterben wird. Sie haben keinerlei Forderungen und auch keine nachvollziehbaren Beweggründe.

 

"Funny Games US" ebenfalls von

Michael Haneke aus dem Jahr 2007

Die Täter sind „Archetypen des Kinobösen“, und der Film selbst ist eine „filmische Reflexion über die mediale Repräsentation der Gewalt“. Ziel ist es, den Zuschauer mit der Art von Gewalt zu konfrontieren, die er sonst mit Vergnügen konsumiert, um ihm den Genuss zu verleiden. Dabei ist der Film aber im Grunde genommen keine naive Kritik, wie sie etwa Wim Wenders in Am Ende der Gewalt formulierte, sondern eine Parodie auf den herkömmlichen Thriller oder Horrorfilm.

 

 

 

Zehn Jahre später wurde Haneke aus Amerika gebeten, den Film für das US-Publikum neu zu drehen. Was dabei herauskam, war ein Einstellung-für-Einstellung-gedrehtes Remake, in dem amerikanische Schauspieler die Rollen übernahmen (darunter Tim Roth, Naomi Watts und Michael Pitt). Besonders hervorgehoben werden sollte auch der Original-Trailer zu „Funny Games U.S.“, der die kritische Auseinandersetzung des Films sehr gut zu verschleiern versucht und stattdessen mit seinen schnellen Schnitten die Zuschauer ins Kino locken möchte: Das perfekte Trojanische Pferd.

 

Platz 4: "Harold und Maude" von Hal Ashby

"Harold und Maude" von Hal Ashby

(1971)

 

 

„Ich möchte Purzelbäume schlagen!“

 

 

Harold und Maude ist unter den schönsten Filmen, die ich je gesehen habe, der melancholischste. Die wunderschönen Songs von Cat Stevens begleiten den gesamten Film; dies allein ist schon eine großartige Idee. Doch gepaart mit den Bildern verleiht diese Kombination eine schön-schwärmerische Atmosphäre, die den Zuschauer nach dem Film zurücklässt, als ob er sich 91 Minuten in einem herbstlichen Wunderland befand, in dem es von fallenden bunten Blättern wimmelte, mit einer angenehm kalten Brise und strahlender Sonne. Das ist die Stimmung, die von Harold und Maude ausgeht, und dass, obwohl der Film bei seinem Erscheinen bei Kritik und Zuschauern erstmal auf Ablehnung stieß.

 

Klar, mit dieser Handlung eckt man an, erst recht damals in den 70ern. Es geht um den 19-jährigen Harold Chasen. Er lebt im Haus seiner alleinerziehenden, reichen und auf gute Manieren bedachten Mutter. Sein Alltag besteht darin, die kaltherzige Mutter mit selbstinszenierten Suizidversuchen in den Wahnsinn zu treiben. Harold tut dies, weil ihm seine Mutter keine Wärme und Zuwendung schenkt, aber auch, weil er vom Tod fasziniert ist. Dies manifestiert sich auch dadurch, dass er sich einen Leichenwagen kauft und sich damit in der Öffentlichkeit zeigt. Zudem besucht er gerne Beerdigungen von fremden Menschen. Dort lernt er eines Tages Maude kennen, die mit ihm dieses kuriose Hobby teilt. Die 79-jährige Maude Chardin ist eine gewitzte, lebensfrohe alte Dame, die gerne Autos stiehlt, eine künstlerische Ader besitzt und in einem Wohnwagen lebt. Harold ist fasziniert von Maude, die in ihrer Vergangenheit sehr viel Düsteres erlebt hat.

 

Unglaublicherweise verlieben sich die beiden ineinander und verloben sich sogar, was Harolds Mutter fassungslos macht – schließlich könnte Maude Harolds Großmutter sein. Doch die frisch Verliebten trotzen der Gesellschaft, den Institutionen, den Konventionen und selbst dem großen Altersunterschied. In einer kleinen Einstellung sieht man auf Maudes Arm eine Tätowierung, die klarmacht, dass sie in einem Konzentrationslager der Nazis gefangen war. Die Überlebende Maude ist in ihrem rüstigen Alter nun ein Mensch, der noch den kleinen und schönen Dingen im Leben viel abgewinnen kann. Ein melancholischer Film mit sardonischem Humor und satirischen Seitenhieben, der aber seine Charaktere ernst nimmt. Ich habe den Film mit 19 Jahren gesehen (im gleichen Alter wie Harold) und ich hatte eine sofortige Verbundenheit mit ihm. Unvergesslich und wunderschön.

Platz 3: "Lethal Weapon 4" von Richard Donner

"Lethal Weapon 4" wieder einmal

mit den zwei Profis aus L.A. (1998)

 

 

Guilty Pleasure! Guilty Pleasure?

 

Nein, Sie haben sich nicht verlesen, es ist genau das, wonach es aussieht: Ein beinharter Mainstream-Film. Die Actionkomödie war in den 90ern ein sehr beliebtes Genre, das mit Rush Hour seinen Höhepunkt in den Kinocharts erreichte. Doch die Lethal Weapon-Reihe ragt über all die sogenannten Buddyfilme heraus, die wahrscheinlich mit Nur 48 Stunden von Walter Hill fast schon ein Subgenre des Actionfilms einläuteten.

 

Obwohl der erste Lethal Weapon 1987 bitterernst und mit nur wenigen Humoreinlagen begann: Der junge Martin Riggs (Mel Gibson), ein selbstmordgefährdeter Cop, trauert um seine ermordete Frau und wird dem älteren und erfahrenen Roger Murtaugh (Danny Glover) zugewiesen, der seine Pension sehnlichst herbeisehnt. Allein was hier geboten wird, übersteigt im Grunde die Essenz eines Guilty Pleasures: Herausragende Schauspieler wie Gibson, Glover, Rene Russo und Joe Pesci stehen für großes Kino, und genau das wird hier geboten. Klar, die Handlung ist dünn, doch der Wortwitz, ja sogar Slapstick-Einlagen, wechseln zu großartigen Actionszenen, die beweisen, dass Pyrotechnik immer noch spektakulärer ist als jedes CGI. Die Lethal Weapon-Reihe zeichnete sich immer durch die Dynamik der beiden Hauptdarsteller aus, die im Grunde eine Art subtile Liebesbeziehung teilten. Dennoch gehören zu der Reihe genauso die krassen Gewaltdarstellungen, die in dem Genre des Buddy-Movies eher unüblich sind.

 

Man nenne mich ruhig verblendet, aber Lethal Weapon 4 ist für mich keine Guilty Pleasure, sondern eine herausragende Actionkomödie. Mir ist bewusst, dass dieser Streifen der angreifbarste Film auf der Liste ist, aber ich stehe dazu.

Platz 2: "Malcolm X" von Spike Lee

Ein furioses starkes Filmepos. Spike Lee's Opus

Magnum aus dem Jahr 1992.

 

 

Malcolm Little. Detroit Red. MALCOLM X!

 

Malcolm Little wächst im rassistischen Amerika der 40er-Jahre auf. Sein Vater ist Prediger und Vertreter der Lehren Marcus Garveys. Seine Mutter hatte eine helle Haut, da ihr Erzeuger ein weißer Vergewaltiger war. Malcolm verdingte sich als Kleinkrimineller mit seinem Partner Shorty (gespielt vom Regisseur selbst). Als er nach einem Einbruch verhaftet wird, bekommt er die Höchststrafe, da es auch sein Vergehen war, eine weiße Frau als Partnerin gehabt zu haben. Im Knast lernt er Baines kennen (Oscar-verdächtig gespielt von Albert Hall), der ihn zum Islam bekehrt und zur Organisation „Nation of Islam“ beitreten lässt.

 

Mit Malcolm X lieferte der Initiator des New Black Cinema ein kraftvolles, leidenschaftliches und hingebungsvolles Jahrhundertwerk, das seinesgleichen im behäbigen Genre des Biopics sucht. Der beste Vertreter seines Genres vereint verschiedene Filmgenres in einem dreieinhalbstündigen Epos, das zwischen Gangsterfilm, Knastdrama und Politthriller changiert. Eine der vielen Künste dieses überlangen Films ist, dass man sich der Länge gar nicht bewusst wird. Im Gegenteil: Zu gern gibt man sich der virtuosen Inszenierung von Spike Lee und der gewaltigen Performance von Hauptdarsteller Denzel Washington hin. Ein vielschichtiger Film, spannend, provokant, mutig und überwältigend! Ganz großes Kino!

Platz 1: "Talk Radio" von Oliver Stone

Der Beste Film aller Zeiten: "Talk Radio"

von Oiver Stone aus dem Jahr 1988

 

 

„Warum soll ich denn die Sprengstoffexperten anrufen? Nur weil mich so ein schwachköpfiger Rechtsradikaler Bierarsch anruft und sagt es gäbe eine Bombe in meiner Post?!“

 

 

Die Zuhörer der nächtlichen Radiotalkshow „Night Talk“ haben die Möglichkeit, den Radiohost Barry Champlain anzurufen, um mit ihm über alles Mögliche zu sprechen. Was die Sendung so kontrovers macht, ist, dass die Konversationen oft auf Krawall gebürstet sind. Dazu tragen die Anrufer bei, die in ihrer Unterschiedlichkeit einen Querschnitt der Gesellschaft abbilden. Aber auch Barry sucht oft den Konflikt, meist der Einschaltquoten zuliebe. So entsteht ein toxisches und düsteres Bild der amerikanischen Gesellschaft, wo Kommunikation zu Konfrontation verkommen ist.

 

Was Oliver Stone und Eric Bogosian hier schufen, ist eine Masterclass im Genre des Kammerspiels. Dialoge und Kameraführung sind hier so derart sensationell, dass einem der Atem wegbleibt. Eric Bogosian spielt seine Rolle als rebellischer und doch korrumpierbarer Shock-Jock mit all seinen Widersprüchen so genial, dass er alle an die Wand spielt. Barry ist eine Figur, die man einerseits abschreckend finden kann, aber andererseits in all ihrer Vielschichtigkeit unglaublich fasziniert. Das Highlight des Films sind die Interaktionen zwischen den Anrufern und Barry, die teilweise schwer erträglich ablaufen, aber einen auch zum Lachen bringen, doch so, dass dieses Lachen im nächsten Moment wieder einfriert. Talk Radio ist eine Tour de Force der Gefühle, die zwischen Wut, Belustigung und starker Betroffenheit und Schockzuständen changiert. Ein eindringliches Porträt einer Gesellschaft, die nur noch den Hass der anderen nimmt, um sich darauf aufzugeilen.

 

Insgesamt ist Talk Radio bemerkenswert: Er ist der fesselndste Film, der mit überschaubaren Mitteln gedreht wurde und dennoch so stark ist wie kein zweiter Film in der Kinogeschichte. Das größte Meisterwerk, das keiner kennt!

 

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